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Shamonda-Virus (SHAV)

Stand: 07.09.2026


Seuchenlage in Deutschland und Europa


Anfang August 2026 stellte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ein neues Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe bei Rindern in Süddeutschland fest. Das Virusisolat Shamonda-Virus/DE/2026 ist eng mit dem Shamonda-Virus verwandt, dass seit den 1960er Jahren bekannt ist (Link zum Steckbrief). Infektionen mit diesem Virus traten auch in der Schweiz und Frankreich auf. Es wird durch Gnitzen übertragen, was die Vermeidung von Infektionen und die Bekämpfung erschwert.

Neben Nachweisen bei Rindern aus Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, dem Saarland und Sachsen bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auch Infektionen mit dem Shamonda-Virus (SHAV) bei einem Pferd aus Rheinland-Pfalz sowie einem Alpaka aus Hessen. In Proben von Schafen und Ziegen aus Baden-Württemberg, die dem FLI zu Monitoringzwecken zur Verfügung gestellt wurden, ist ebenfalls SHAV nachgewiesen worden.

Neueste Untersuchungsergebnisse des FLI weisen auf ein zweites Einschleppungs- und Ausbreitungsereignis in Deutschland hin.

Untersuchungen im Nordwesten und Osten Deutschlands zeigen, dass neben der Variante „Shamonda-Virus/DE/2026“ (s.o.) eine weitere mit dem Shamonda-Virus verwandte Variante vorkommt. Die Nachweise stammen aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Thüringen. Dieses Virus gehört immer noch zur selben Spezies (Orthobunyavirus Schmallenbergense) der Simbu-Serogruppe, zeigt aber eindeutige Unterschiede zur zuerst nachgewiesenen Variante Shamonda-Virus/DE/2026. Zur einfacheren Unterscheidung werden sie nun als Shamonda-Virus Europe 1 (SHAV-EU1) für die erste Variante und Shamonda-Virus Europe 2 (SHAV-EU2) für die zweite Variante bezeichnet. In einigen Bundesländern wurden schon beide Virusvarianten nachgewiesen.

Shamonda-Virus Europe 2 (SHAV-EU2) wurde bislang nur bei Rindern nachgewiesen. Ob ein ausreichender Kreuzschutz zwischen den beiden Varianten nach Infektion vorliegt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Erreger und Übertragungsweg

Das neu nachgewiesene Virus weist genetisch die größte Ähnlichkeit mit dem klassischen Shamonda-Virus auf. Dieses wurde erstmals in den 1960er-Jahren in Nigeria beschrieben und kam bislang vorwiegend in Afrika, Asien und Australien vor. Es gehört zur selben Virusfamilie wie das 2011 erstmals in Deutschland aufgetretene Schmallenberg-Virus (SBV).

Die Übertragung erfolgt nach derzeitigem Kenntnisstand primär über blutsaugende Insekten, insbesondere Gnitzen (Culicoides). Eine direkte Ansteckung von Tier zu Tier findet nicht statt. Da die Gnitzensaison in Deutschland witterungsabhängig bis Ende November andauern kann und die Aktivität der Vektoren zwischen Juli und Oktober ihren Höhepunkt erreicht, warnt das FLI vor einer weiteren und potenziell schnellen Ausbreitung in den empfänglichen Wiederkäuerbeständen.

Klinisches Bild und Gefahren für tragende Tiere

Bei adulten Rindern verlaufen die Infektionen in der Regel mild bis moderat. Betroffene Tiere erholen sich meist innerhalb weniger Tage. Typische Symptome in den akut betroffenen Herden sind:

  • Akutes Fieber
  • Wässriger Durchfall
  • Plötzlicher Abfall der Milchleistung bei Kühen

Derzeit lässt sich für das neu eingeschleppte Virus noch nicht abschätzen, ob und in welchem Umfang Infektionen tragender Tiere wie beim Schmallenberg-Virus zu Schädigungen der Feten führen können. Wie bei anderen Vertretern der Simbu-Serogruppe besteht der begründete Verdacht, dass das Virus die Plazentaschranke überwinden und den Fetus infizieren kann. Abhängig vom Trächtigkeitsstadium kann dies zu Aborten, Totgeburten sowie schweren angeborenen Fehlbildungen (z. B. des Zentralnervensystems und des Bewegungsapparates) bei den neugeborenen Kälbern, Lämmern oder Kitzen führen.

Das Virus stellt keine Gefahr für den Menschen dar.

Nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand besitzen Viren der Simbu-Serogruppe kein relevantes zoonotisches Potenzial. Der Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten ist unbedenklich. Ein Infektionsrisiko wird vom FLI als unwahrscheinlich eingestuft, jedoch im Rahmen der vollständigen Charakterisierung des Erregers vorsorglich weiter überwacht.

Maßnahmen und Empfehlungen

Ein zugelassener Impfstoff steht für dieses neu aufgetretene Virus aktuell noch nicht zur Verfügung. Das FLI prüft derzeit die Notwendigkeit und den zeitlichen Vorlauf für eine mögliche Impfstoffentwicklung.

Tierhalterinnen und Tierhalter in Niedersachsen werden um erhöhte Aufmerksamkeit gebeten. Bei gehäuftem Auftreten von Fieber, Durchfall oder unklarem Milchrückgang in Rinder-, Schaf- oder Ziegenbeständen sollte umgehend der behandelnde Hoftierarzt zur klinischen Untersuchung und Probenahme hinzugezogen werden. Auch klinisch auffällige Neugeborene sollten untersucht werden.

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