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Symposium zu Fragen der Biosicherheit in Tierhaltungen - "§ 3 des Tiergesundheitsgesetzes – Pflichten des Tierhalters" am 21.05.2014

Stand: 27.05.2014


Am 21.05.2014 veranstaltete das Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Zusammenarbeit mit dem LAVES, der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, der Tierärztekammer Niedersachsen und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ein Symposium zu Fragen der Biosicherheit in Tierhaltungen.

Der § 3 des am 01.05.2014 in Kraft getretenen Tiergesundheitsgesetzes nimmt den Tierhalter in die Pflicht, Biosicherheitsmaßnahmen zu etablieren und einzuhalten, um die Einschleppung von Infektionskrankheiten zu verhindern. Eine gut gelebte Biosicherheit trägt zur Gesundheit der Tiere bei und mindert auch den Arzneimitteleinsatz. Seuchenfreie Tierbestände stellen außerdem die Basis für den ungestörten Handel sowohl im Tierbereich als auch im nachgelagerten Bereich dar.

Über 130 Teilnehmer aus Behörden und Verbänden nahmen an dem Symposium teil. Referenten aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium, der Wissenschaft, der Landwirtschaft und Tierärzteschaft erläuterten die Rechtslage und gaben Anregungen für die Umsetzung in der Praxis. Durch die Veranstaltung führten Herr Dr. Kölling und Frau Dr. Gottstein vom Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. An die Teilnehmer wurde der Appell gerichtet, die Informationen weiterzutragen und den Prozess der Verankerung im Alltag aktiv zu begleiten.

In seiner einleitenden Rede wies Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer unter anderem auf die Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest in die EU hin. Diese Verbreitung zeigt, dass Tierseuchen nicht an Grenzen halt machen und Vorbeugen die beste Medizin ist. Der Minister forderte daher Präventionsmaßnahmen auf hohem Niveau insbesondere im globalisierten Handel und Verkehr.

Im Namen der Tierärztlichen Hochschule Hannover begrüßte Frau Prof. Dr. Meemken vom Institut für Lebensmittelqualität der Tierärztlichen Hochschule Hannover die Teilnehmer.

Herr Prof. Dr. Bätza vom BMEL gab einen Einblick in den entstehenden Tiergesundheitsrechtsrahmen der EU. Alle Veterinärvorschriften werden in einem einzigen Rechtsakt zusammengefasst; dieser bildet den Rahmen und wird durch etwa 400 Sekundärrechtsakte ergänzt, in denen die Details zu regeln sind.

§ 3-Symposium

Als Vertreter der Tierärztekammer Niedersachsen stellte Herr Dr. Finkensiep, Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Tarmstedt, den Leitfaden „Biosicherheit in Rinderhaltungen“ vor. Dieser Leitfaden enthält verschiedene Stufen, die bei der Etablierung von Biosicherheitsmaßnahmen in Rinderbeständen als Etappenziele dienen. Herr Dr. Finkensiep hob ausdrücklich hervor, dass es von besonderer Wichtigkeit ist, alle Bereiche eines Betriebes gleichzeitig zu betrachten und zu verbessern, da ansonsten Lücken in der Biosicherheit bleiben können, die alle anderen Bemühungen zunichte machen. Der Leitfaden ist auf der Homepage der Nds. Tierärztekammer abrufbar: www.tknds.de

Frau Dr. Böhne, als Fachtierärztin für Schweine in eigener Praxis tätig, gab einen Überblick über die Bereiche, die das "Tierwohl" gestalten: Tierseuchenrecht, Tierschutzrecht, Arzneimittelrecht. Im Schweinebereich existiert bereits ein Rechtsrahmen für die Biosicherheit, die Schweinehaltungshygieneverordnung. Frau Dr. Böhne erläuterte, dass es im Bereich der Diagnostik durchaus noch Verbesserungspotential gibt. Etabliert werden sollte zudem die zielgerichtete Organentnahme, die neben den üblichen Proben, die im Bestand genommen werden, eine wertvolle Hilfe ist weitere Erkenntnisse über Erkrankungen zu liefern. Niedersachsen setzt sich seit langem für eine Rechtsgrundlage hierfür ein.

Herr Dr. Delbeck vom Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellte aus Sicht der Bestandsbetreuung die Effektivität der Früherkennung dar und beschrieb den Niedersächsischen Ansatz, das Schweinepestmonitoring risikobasierter zu gestalten.

§ 3-Symposium

Herr Dr. Kramer vom LAVES gab einen Überblick über die weltweite Seuchenlage und stellte die weitreichenden Folgen von Seuchenzügen dar. Das MKS Geschehen 2001 im Vereinigten Königreich hat letztendlich Kosten in Höhe von 5 Mrd. € verursacht. Gefahren der Verschleppung sind längst nicht mehr nur der Tierverkehr, sondern auch der unsaubere Umgang mit Speiseabfällen bis hin zu politischen Instabilitäten.

Herr Prof. Dr. Becher vom Institut für Virologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover ermöglichte einen Blick auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Klassischen und der Afrikanischen Schweinepest. Er hob besonders hervor, dass es sich zwar um zwei sehr unterschiedliche Erreger handelt, die Krankheitsbilder aber kaum zu unterscheiden sind.

Frau Dr. Brase vom Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen schilderte in ihrem praxisnahen Vortrag den ganzheitlichen Ansatz der Beratung eines Betriebes zu Gesundheitsproblemen und den konkreten Erfolg bei Beachtung der Empfehlungen am Beispiel einer PRRS Infektion eines Schweine haltenden Betriebes.

Herr Dr. Rüther vom niedersächsischen Landvolk gab eine Übersicht über die bereits getroffenen Vorsorgemaßnahmen der Rinderhalter und der Molkereien im MKS-Krisenfall. Der Krisenplan der Molkereien sieht vor, dass im Falle eines MKS-Ausbruches die Molkerei, die die größte Milchmenge in dem Sperrbezirk und Beobachtungsgebiet hat, die Milch aus diesen Restriktionsgebieten erfasst. Aus einer MKS-Übung ergab sich ein Milchanfall von 850.000 kg pro Tag.

Eine wirkungsvolle Tierseuchenbekämpfung ist ohne die schnelle Tötung und Räumung von Tierbeständen nicht möglich. Herr Dr. Große Beilage, Geschäftsführer der Gesellschaft für Seuchenvorsorge (GESEVO), stellte die Organisation und den Ablauf einer Bestandstötung im Seuchenfall dar. Hierbei sind sowohl höchste Biosicherheitsmaßnahmen als auch Belange des Tierschutzes zu beachten.

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