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Blauzungenkrankheit

Stand: 06.12.2019


Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige Tierseuche der Wiederkäuer, die durch Viren verursacht und über Mücken der Gattung Culicoides (Gnitzen) übertragen wird. Für Menschen ist die Blauzungenkrankheit eine völlig ungefährliche Tierseuche.

Wichtiger Hinweis: In der Infospalte finden Sie Leitfäden für die Eingabe von BTV-Impfdaten in HIT durch den Tierhalter oder Tierarzt für Schaf-, Ziegen- und Rinderhalter.

Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit
Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit (s. Link)

Aktuelle Informationen zur Verbreitung und den Restriktionszonen in der EU finden Sie auf der Internetseite zur Blauzungenkrankheit der EU-Kommission.

Dort ist u. a. eine aktuelle Karte sowie eine tabellarische Übersicht der Restriktionszonen in der EU zu finden (zur Karte gelangen Sie hier, zur Tabelle hier). Auf der Internetseite des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) finden Sie ebenfalls einige Übersichtskarten.

Aktuelles Blauzungenkrankheitsgeschehen in Deutschland:

Am 12. Dezember 2018 wurde erstmals nach 2009 wieder ein Ausbruch der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 festgestellt. Bis Mai wurden insgesamt 57 Fälle im westlichen Baden-Württemberg sowie in Rheinland-Pfalz und im Saarland nachgewiesen. Zwei weitere Ausbrüche wurden Ende Oktober und im November in Rheinland-Pfalz und Saarland gemeldet. Eine Übersicht über die aktuellen Ausbrüche finden Sie auf TSIS ( Tierseucheninformationssystem des FLI ). Um die betroffenen Bestände wurden Sperrgebiete eingerichtet. Davon sind neben Baden-Württemberg, Saarland und Rheinland-Pfalz auch Teile von Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern betroffen. Empfängliche Tiere (Rinder, Schafe, Ziegen und gehaltene Wiederkäuer) dürfen in und aus diesen Gebieten nur unter Auflagen verbracht werden. Eine Übersicht über die Bedingungen zur Verbringung sowie die aktuellen Restriktionsgebiete finden Sie rechts in der Info-Spalte.

Blauzungenkrankheitsgeschehen in Belgien:

Im März traten einige Fälle von BTV vom Serotyp 8 in Belgien auf. Vereinzelt wurden weitere Fälle nachgewiesen (im August 1 Fall, November 2 Fälle). Um den Handel mit Wiederkäuern innerhalb Belgiens zu erleichtern, wurde das gesamte Land als Restriktionszone für BTV 8 erklärt.

Blauzungenkrankheitsgeschehen in Frankreich:

Seit 2015 breitet sich das Blauzungenvirus vom Serotyp 8 in Frankreich aus und verursacht zahlreiche Ausbrüche. Seit November 2017 werden außerdem Fälle vom Blauzungenvirus vom Serotyp 4 auf dem französischen Festland festgestellt. Das gesamte Land gilt als Restriktionszone für BTV-8 und BTV-4.

Blauzungenkrankheitsgeschehen in Italien:

Vom italienischen Festland, Sardinien und Sizilien werden immer wieder Fälle von BTV-4 und BTV-1 gemeldet. In diesem Jahr wurden bis November 66 Fälle, überwiegend vom Serotyp 4 in Italien festgestellt.

Blauzungenkrankheit in der Schweiz:

Im September wurde der erste Fall von BTV-8 in diesem Jahr in der Schweiz festgestellt. Weitere Ausbrüche wurden im Rahmen des Überwachungsprogrammes gefunden. Schweiz und Liechtenstein sind weiterhin Restriktionszone für BTV-8.

Blauzungenkrankheit in anderen Ländern:

Aus Griechenland werden auch in diesem Jahr einzelne Fälle von Blauzungenkrankheit vom Serotyp 16 berichtet. Aus dem Süden Spaniens wurde im Januar ein Fall von BTV vom Serotyp 4 gemeldet. Vereinzelt wurden auch Ausbrüche aus Zypern gemeldet.

Risikoeinschätzung zur weiteren Verbreitung der Blauzungenkrankheit in Deutschland:

In der aktuellen qualitativen Risikobewertung zur Verschleppung der Blauzungenkrankheit des FLI vom 26.04.2019 wurden das Risiko einer saisonalen Übertragung des Virus der Blauzungenkrankheit durch Gnitzen und das Risiko einer Verschleppung durch das Verbringen von Wiederkäuern aus Restriktionszonen bewertet. Die aktuelle Stellungnahme finden Sie hier.

Demnach wird das Risiko einer Übertragung durch Gnitzen in den Monaten Dezember bis März als vernachlässigbar eingeschätzt.

Sofern Wiederkäuer nach den Regelungen der Verordnung (EU) 1266/2007 aus den Restriktionszonen in freie Gebiete verbracht werden, wird das Risiko einer Verschleppung des Virus als vernachlässigbar eingeschätzt. Ebenso stellt das Verbringen von Wiederkäuern zur unmittelbaren Schlachtung und das Verbringen von Tieren mit ausreichendem Impfschutz ein vernachlässigbares Risiko dar.

Das Risiko einer Verschleppung durch das Verbringen von Kälbern in BTV-freie Gebiete wird als gering eingeschätzt.

In der Stellungnahme zur aktuellen BTV-Situation der ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut vom 28.01.2019 wird darauf hingewiesen, dass es neben weiteren Ausbrüchen von BTV-8 mittelfristig vermutlich auch zum Nachweis von BTV vom Serotyp 4 kommen wird. Tierhaltern wird daher empfohlen, ihre Rinder, Schafe und Ziegen gegen BTV-8 und BTV-4 impfen zu lassen. Die Erfahrungen aus Frankreich und der Schweiz zeigen, dass ohne eine flächendeckende Impfung eine weitere Ausbreitung der Blauzungenkrankheit wahrscheinlich ist.

Verbringungsregelungen:

Infolge der BTV-8 Ausbrüche wurden Sperrgebiete eingerichtet. Zur Verbringung in und aus diesen Gebieten müssen alle Rinder, Schafe, Ziegen und Gatterwild sowie deren Sperma, Eizellen und Embryonen Auflagen erfüllen.

Beim Verbringen empfänglicher Tiere innerhalb der Sperrgebiete oder aus diesen in freie Gebiete gelten die Regelungen nach der VO (EG) 1266/2007.

Neben den in dieser Verordnung genannten Ausnahmebedingungen bestehen weitere Ausnahmebedingungen zur Verbringung von Kälbern innerhalb Deutschlands, die nach Risikobewertung des FLI vom 26.04.2019 zwischen Bund und Ländern abgestimmt worden sind.

Des Weiteren wurde eine Vereinbarung mit den Niederlanden, Italien und Spanien für das innergemeinschaftliche Verbringen von unter 90 Tage (für Spanien unter 70 Tage) alten Kälbern getroffen.

Alle aktuell zur Verfügung stehenden Verbringungsoptionen aus Sperrgebieten in freie Gebiete innerhalb Deutschlands sind in dem Dokument "Aktuelle Übersicht der Regelungen zur Verbringung innerhalb Deutschlands" (s. Infospalte) zusammengefasst.

Impfung:

Nur durch eine Impfung können Rinder und andere empfängliche Wiederkäuer wirkungsvoll gegen eine BTV-Infektion geschützt und der Handel mit Tieren im Seuchenfall ermöglicht werden.

Die ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am FLI empfiehlt, empfängliche Wiederkäuer gegen BTV-4 und -8 zu impfen ( s. Infospalte). Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit vermitteln einen sicheren Schutz und sind weitgehend nebenwirkungsfrei.

Der BTV-8-Seuchenzug aus den Jahren 2006 bis 2009 betraf fast die gesamte Bundesrepublik Deutschland und konnte durch den flächendeckenden Einsatz der Impfung erfolgreich bekämpft werden.

In den betroffenen Ländern wie Frankreich, Schweiz und Italien wird auf eine flächendeckende, verpflichtende Impfung verzichtet, stattdessen kann auf freiwilliger Basis gegen BTV geimpft werden. Auch in Deutschland ist eine freiwillige Impfung empfänglicher Wiederkäuer möglich. Hierzu ist jedoch die Genehmigung der zuständigen Behörde (Veterinäramt) notwendig (§ 4 der EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung).

Gemäß § 4 der EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung (vom 30. Juni 2015 (BGBl. I S. 1098), zuletzt geändert am 3. Mai 2016 (BGBl. I S. 1057)) gilt Folgendes:

  • Genehmigung: Empfängliche Tiere dürfen gegen BT nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde und nur mit inaktivierten Impfstoffen geimpft werden. Die Genehmigung ist unter Berücksichtigung einer Risikobewertung des FLI zu erteilen.
  • HI-Tier-Eintrag: Der Tierhalter hat der zuständigen Behörde oder einer von dieser beauftragten Stelle jede Impfung gegen BT innerhalb von sieben Tagen nach der Durchführung der Impfung unter Angabe der Registriernummer seines Betriebes, dem Datum der Impfung und des verwendeten Impfstoffes mitzuteilen. Auf Anordnung der zuständigen Behörde hat er zusätzlich die Ohrmarkennummern der geimpften Tiere mitzuteilen.
  • Die zuständige Behörde kann Impfungen empfänglicher Tiere eines Bestandes oder eines bestimmten Gebietes gegen BT mit einem inaktivierten Impfstoff und deren Mitteilung anordnen, soweit dies aus Gründen der Tierseuchenbekämpfung erforderlich ist.

Bei Fragen zur Impfung, insbesondere zur Genehmigung, wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige kommunale Veterinärbehörde.

Für die Impfung sind in Deutschland inaktivierte Impfstoffe gegen verschiedene BTV-Serotypen zugelassen. Es besteht keine Kreuzimmunität zwischen den unterschiedlichen Serotypen.

Hier eine Übersicht der zugelassenen Impfstoffe (aktuelle Zulassungen sind auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Institutes zu finden:
https://www.pei.de/DE/infos/tieraerzte/tierarzneimittel/tierarzneimittel-node.html


Zugelassene Impfstoffe BTV (Stand 05.12.2019)

Impfstoffe gegen BTV-8 Hersteller Tierart
Bluevac BTV8 (Serotyp 8) CZ Veterinaria Schaf, Rind
Bluevac-4 (Serotyp 4) CZ Veterinaria Schaf, Rind
Bovilis Blue-8 (Serotyp 8) Intervet B.V. Schaf, Rind
Bovilis BTV8 (Serotyp 8) Intervet B.V. Schaf, Rind

BTVPur (Kombinationsimpfstoff aus Serotypen 1, 2, 4 und 8, wobei pro Impfstoff 2 verschiedene Serotypen möglich sind. Aktuelle Kombinationen sind bei den Herstellern bzw. Verbreibern zu erfragen.)

Merial S.A.S.
(Boehringer)
Schaf, Rind
Syvazul BTV (Multistrain, 2 verschiedene Serotypen möglich: 1, 4 oder 8) Laboratorios Syva Schaf, Rind
Zulvac 1 Bovis (Serotyp 1) Zoetis Belgium S.A. Rind
Zulvac 1 Ovis (Serotyp 1) Zoetis Belgium S.A. Schaf
Zulvac 1+8 Bovis (Serotypen 1 und 8) Zoetis Belgium S.A. Rind
Zulvac 1+8 Ovis (Serotypen 1 und 8) Zoetis Belgium S.A. Schaf
Zulvac 8 Bovis (Serotyp 8) Zoetis Belgium S.A. Rind
Zulvac 8 Ovis (Serptyp 8) Zoetis Belgium S.A. Schaf
Zulvac BTV (Serotypen 1, 4 oder 8 für Schafe, für Rinder Serotypen 1 oder 8) nur ein Serotyp möglich) Zoetis Belgium S.A. Rind, Schaf

Aktuell sind Impfstoffe gegen BTV-8 in Deutschland verfügbar. Die konkrete Verfügbarkeit der einzelnen Impfstoffe und Angaben zu den Immunisierungsschemata sind bei den Herstellern bzw. Vertreibern zu erfragen. Hinweise zur Verfügbarkeit von Impfstoffen gegen BTV von der StIKo Vet finden Sie auch hier.

Weiterführende Informationen erhalten Sie auch auf der Internetseite der Ständigen Impfkommission des FLI.
Woran erkennt man die Krankheit?

Vor allem nach einer Infektion mit dem aktuell auch in Deutschland vorkommenden Serotyp 8 werden nur selten Krankheitserscheinungen beobachtet. Dies bedeutet, dass verstärkt auf Krankheitszeichen zu achten ist, die auf das Vorliegen einer Infektion mit dem Blauzungen-Virus hindeuten.

Die klinischen Symptome bei Rindern sind Entzündungen der Zitzenhaut und Schleimhäute im Bereich der Augenlider, Maulhöhle und Genitalien. Zudem treten Ablösungen von Schleimhäuten im Bereich der Zunge und des Mauls sowie Blasen am Kronsaum auf. Diese Symptome ähneln somit Symptomen der Maul- und Klauenseuche.

Das Virus bleibt in den Tieren in der Regel 100 Tage aktiv, es sammelt sich insbesondere unter der Haut. Die Tiere bilden eine belastbare Immunität aus. Die Krankheit kann ausheilen.

Erste klinische Symptome bei Schafen sind ca. 7-8 Tage nach der Infektion eine erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde. Die Maulschleimhäute sind gerötet und schwellen an, es kommt zu vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Außerdem kann die Zunge anschwellen und aus dem Maul hängen. An den Klauen rötet sich der Kronsaum und schmerzt. Die Schafe können lahmen, und bei tragenden Tieren kann die Krankheit zum Abort führen.

Berichte zum Krankheitspotential der aktuell zirkulierenden BTV-4 und BTV-8 Stämme aus den betroffenen Ländern sind jedoch widersprüchlich. Nicht immer treten die beschriebenen klinischen Anzeichen auf.

Wie wird die Blauzungenkrankheit übertragen?

Überträger sind kleine Mücken (1 - 3 mm lang) der Gattung Culicoides (= Gnitzen). Sie fallen vor allem zwischen Abend- und Morgendämmerung Tiere im offenen Gelände an.

Das Virus wird von den blutsaugenden Insekten aufgenommen. Nach einer Entwicklungszeit von ca. einer Woche kann das Virus bei einer Blutmahlzeit auf einen Säugetierwirt übertragen werden.

Aus Frankreich wurde von BTV-8 Nachweisen in wenige Tage alten Kälbern berichtet, die vermutlich auf eine Infektion während der Trächtigkeit zurückzuführen sind.


Rind schwarz-weiß
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