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Aviäre Influenza

Stand: 21.01.2021



Aviäre Influenza (AI) ist eine Erkrankung der Vögel, die durch Influenza A Viren der Subtypen H5 und H7 verursacht wird.
Bei dieser Erkrankung wird zwischen niedrigpathogenen ("wenig krank machenden") und hochpathogenen ("stark krank machenden") Viren unterschieden. Niedrigpathogene AI-Viren (LPAI) können bei infizierten Tieren mit nur geringen bis gar keinen Krankheitsanzeichen einhergehen. Eine Infektion mit hochpathogenen AI-Viren (HPAI), auch Geflügelpest genannt, führt oft zu schweren Krankheitsbildern mit stark erhöhten Todesfällen.

Weitere ausführliche Informationen über Aviäre Influenza lesen Sie in einem Factsheet zur Aviären Influenza (nicht barrierefrei, pdf, 0,37 MB) hier.

Aktuelle Lage zur Aviären Influenza

Hohes Risiko:

In der aktuellen Risikobewertung des FLI wird das Risiko von Ausbrüchen der Geflügelpest weiterhin als hoch bewertet. Insbesondere bei nicht Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen kann es zu Verschleppungen zwischen Betrieben kommen.

Die derzeitigen HPAI H5 Nachweise in Wasser- und Greifvögeln entlang der Küstenregionen der Nord- und Ostsee stehen mit dem Herbstzug von Wasservögeln im Zusammenhang. Die Wasservögel kommen aus Regionen in denen das HPAI H5N8-Virus nachgewiesen wurde. Es wird vermutet, dass das Virus dort seit längerem in der Wasservogelpopulation zirkuliert.

Aas fressende Wildvögel (wie Bussard, Seeadler, Uhu) können tote, infizierte Wasservögel aufnehmen und so zu einer Virusverbreitung innerhalb ihres Bewegungsradius und zur Kontamination der Umwelt mit dem HPAI-Virus beitragen. Damit steigt auch das Risiko von indirekten Einträgen in Geflügelhaltungen.

Geflügelhalter sind angehalten die Biosicherheitsmaßnahmen ggf. zu optimieren und strikt einzuhalten. Kontakte zwischen Geflügel und Wildvögeln sollten unbedingt verhindert werden.


AI-Ausbrüche in Europa

Seit dem 23. Oktober 2020 meldeten die Niederlande mehrere HPAI H5N8 Nachweise bei tot aufgefundenen Wildvögeln. Seither meldeten das vereinigte Königreich, Frankreich, Irland, Dänemark, Belgien, Spanien, Italien, Norwegen, Ungarn, Litauen, Slowakei, Polen, Schweden und Deutschland weitere Wildvogelfälle bzw. Ausbrüche von HPAI des Subtyps H5 bei Geflügel. Von den Geflügelpest-Ausbrüchen sind sowohl Hobbyhaltungen als auch kommerzielle Betriebe betroffen.


HPAI-Ausbrüche in Geflügelbeständen in Deutschland

Seit dem 04. November 2020 kam es in Deutschland zu einer Reihe von Geflügelpestausbrüchen mit den HPAI Subtypen H5N8 und H5N5 in Geflügelbeständen. Insgesamt wurde in 47 Geflügelbeständen aus den Bundesländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Hessen und Thüringen die Geflügelpest amtlich festgestellt. Neben Hühnern, Gänsen, Enten und Fasanen aus Hobbyhaltungen sind auch Legehennen und Mastputen aus kommerziellen Haltungen betroffen.


AI-Ausbrüche in Geflügelbeständen in Niedersachsen

Seit November 2020 wurde in 27 niedersächsischen Geflügelhaltungen hochpathogenes Virus des Subtyps H5N8 (HPAI H5N8) nachgewiesen. Hauptsächlich sind kommerzielle Putenhaltungen betroffen. Aber auch eine Elterntierhaltung für Masthähnchen und eine Entenhaltung sowie eine Kleinsthaltung.

Seit dem 21. Dezember 2020 kam es zu mehreren Ausbrüchen der Geflügelpest in den Landkreisen Cloppenburg (CLP) und Oldenburg (OL) und konzentriert sich derzeit vornehmlich in den putendichten Regionen Niedersachsens.

Am 14.01.2021 wurde in einem Putenbetrieb im Landkreis Cuxhaven (CUX) hochpathogenes AI-Virus des Subtyps H5N8 (HPAI H5N8) nachgewiesen.

Am 21.01.2021 wurde in einem Entenmastbetrieb im Landkreis Wittmund (WTM) hochpathogenes AI-Virus des Subtyps H5N8 (HPAI) nachgewiesen.

Die Landkreise CLP, OL, CUX und WTM haben die vorgeschriebenen Restriktionszonen eingerichtet. Darüberhinaus hat der Landkreis CLP in einigen Gemeinden das Verbot einer Wiederaufstallung von Puten und Enten erlassen.

Nähere Informationen sowie die Allgemeinverfügungen sind auf den Webseiten der betroffenen Landkreise zu finden.


HPAI-Nachweise bei Wildvögeln in Deutschland

Seit Ende Oktober 2020 kam es zu zahlreichen Ausbrüchen der Geflügelpest bei Wildvögeln (vor allem Pfeifenten, Nonnengänse und Greifvögel) in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Niedersachsen, Brandenburg, Bremen, Berlin, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen. Dabei häufen sich die Ausbrüche an der schleswig-holsteinischen Wattenmeerküste. Im Flutsaum vor Nordfriesland wurden mehr als 11.000 verendete Tiere (75% Nonnengänse und Pfeifenten) entdeckt. In vielen Proben konnte das hochpathogene aviäre Influenza Virus des Subtypen H5N8 (HPAI H5N8) nachgewiesen werden. In einigen Proben konnte der Subtyp HPAI H5N5 nachgewiesen werden. Beide Subtypen wurden nicht nur bei toten, sondern auch bei klinisch gesunden beprobten Enten und Gänsen bzw. in Kotproben dieser Vögel nachgewiesen.


AI-Nachweise bei Wildvögeln in Niedersachsen

Seit dem 04. November 2020 wurde in zahlreichen Untersuchungen von Wildvögeln hochpathogenes AI-Virus vorwiegend des Subtypen H5N8 (HPAI H5N8) nachgewiesen. In den Landkreisen Aurich, Cloppenburg, Cuxhaven, Diepholz, Friesland, Harburg, Leer, Lüneburg, Nienburg, Oldenburg, Stade, Verden, Wesermarsch, Wittmund sowie Stadt Emden und Stadt Wilhelmshaven und der Region Hannover kam es insgesamt zu 61 Ausbrüchen der Geflügelpest bei Wildvögeln.


Bekämpfung der hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI, Geflügelpest)

Die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche.
Die Bekämpfung wird nach der Geflügelpestverordnung und nach EU-Recht durchgeführt. Ein Verdacht muss sofort dem zuständigen örtlichen Veterinäramt mitgeteilt werden, das zur Abklärung Proben entnimmt und in amtlichen Laboren untersuchen lässt. Wenn vermehrt tote Wildvögel beobachtet werden, insbesondere Enten und Gänse, sollte dies ebenfalls dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden.

Im Falle des Ausbruchs ist die Behandlung der erkrankten Tiere verboten. Es wird die tierschutzgerechte Tötung und unschädliche Beseitigung der Tiere des betroffenen Bestandes angeordnet. Weitere Maßnahmen bestehen unter anderem in der Einrichtung von Restriktionszonen (3 km Sperrbezirk, 10 km Beobachtungsgebiet) mit Handels- und Verbringungsbeschränkungen und einer unverzüglichen Meldepflicht aller Geflügelhalter. Alle eingeleiteten Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, die Verbreitung des AI-Virus zu verhindern.


Maßnahmen zum Schutz vor Geflügelpest

Für alle Geflügelhalter (insbesondere für Freilandhaltungen und Offenstallsysteme) ist es wichtig Vorsorge zu treffen, um ihre Geflügelbestände vor einem Eintrag des Virus der Aviären Influenza zu schützen. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, zu verhindern, dass das Geflügel Kontakt zu Wildvögeln oder deren Ausscheidungen hat.

Darum müssen die empfohlenen Biosicherheitsmaßnehmen, auch über die gesetzlich verpflichtenden Grundregeln der Biosicherheit hinaus, konsequent eingehalten und überprüft werden. Das Vorhandensein einer physischen Barriere zwischen Geflügel und dem Lebensraum von wildlebenden Wasservögeln (zum Beispiel Gewässer oder Felder auf denen sich Gänse, Enten oder Schwäne sammeln) ist wesentlich. Geflügelhaltungen dürfen nur mit sauberen Gegenständen (Schuhwerk, Schutzkleidung, Schubkarre, Fahrzeuge et cetera) betreten werden. Futter, Wasser und Einstreu muss vor Verunreinigung durch Wildvögel geschützt sein.

Für ein schnelles Erkennen von Verdachtsfällen bei Geflügel ist eine erhöhte Wachsamkeit unerlässlich. Bei einem Anstieg von Geflügelverlusten oder deutlichen Veränderungen in der Legeleistung oder Gewichtszunahme sind unverzüglich Abklärungsuntersuchungen durch einen Tierarzt durchzuführen. Dabei ist auch immer auf Influenza A-Viren der Subtypen H5 und H7 zu untersuchen.

Zur frühen Erkennung von Geflügelpest wird in Niedersachsen seit vielen Jahren ein intensives Monitoring zum Vorkommen bei Wildvögeln und Geflügel durchgeführt.




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