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Blauzungenkrankheit

Stand: 20.10.2020


Seit November 2019 wurde der erste Nachweis von BTV-8 in Deutschland aus Rheinland-Pfalz im Oktober 2020 gemeldet. Bei dem erkrankten Tier handelt es sich um ein Kalb. Ein zweiter Fall von BTV-8 wurde bei einer Milchkuh im Saarland nachgewiesen. Beide Fälle liegen in den bereits bestehenden Restriktionsgebieten, die somit weiter bestehen bleiben müssen und Beschränkungen beim Handel mit empfänglichen Tieren bedeuten.

Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige Tierseuche der Wiederkäuer, die durch Viren verursacht wird. Für Menschen ist die Blauzungenkrankheit eine völlig ungefährliche Tierseuche.

Wie wird die Blauzungenkrankheit übertragen?


Überträger sind kleine Mücken (1 - 3 mm lang) der Gattung Culicoides (= Gnitzen). Sie fallen vor allem zwischen Abend- und Morgendämmerung Tiere im offenen Gelände an.


Das Virus wird von den blutsaugenden Insekten aufgenommen. Nach einer Entwicklungszeit von circa einer Woche kann das Virus bei einer Blutmahlzeit auf einen Säugetierwirt übertragen werden.

Aus Frankreich wurde von Blauzungenvirus-Serotyp 8 (BTV-8) Nachweisen in wenige Tage alten Kälbern berichtet, die vermutlich auf eine Infektion während der Trächtigkeit zurückzuführen sind.


Woran erkennt man die Krankheit?


Durch den in Deutschland vorkommenden Serotyp 8 werden nur milde Symptome beobachtet.


Die klinischen Symptome bei Rindern sind Entzündungen der Zitzenhaut und Schleimhäute im Bereich der Augenlider, Maulhöhle und Genitalien. Zudem treten Ablösungen von Schleimhäuten im Bereich der Zunge und des Mauls sowie Blasen am Kronsaum auf. Diese Symptome ähneln somit Symptomen der Maul- und Klauenseuche.

Das Virus bleibt in den Tieren in der Regel 100 Tage aktiv, es sammelt sich insbesondere unter der Haut. Die Tiere bilden eine belastbare Immunität aus. Die Krankheit kann ausheilen.

Erste klinische Symptome bei Schafen sind ca. 7-8 Tage nach der Infektion eine erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde. Die Maulschleimhäute sind gerötet und schwellen an, es kommt zu vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Außerdem kann die Zunge anschwellen und aus dem Maul hängen. An den Klauen rötet sich der Kronsaum und schmerzt. Die Schafe können lahmen, und bei tragenden Tieren kann die Krankheit zum Abort führen.


Berichte zum Krankheitspotential der aktuell zirkulierenden BTV-4 und BTV-8 Stämme aus den betroffenen Ländern sind jedoch widersprüchlich. Nicht immer treten die beschriebenen klinischen Anzeichen auf.

Wichtiger Hinweis: In der Infospalte finden Sie Leitfäden für die Eingabe von BTV-Impfdaten in HIT durch den Tierhalter oder Tierarzt für Schaf-, Ziegen- und Rinderhalter.

Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit Bildrechte: EU
Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit (s. Link)

Aktuelle Informationen zur Verbreitung und den Restriktionszonen in der EU finden Sie auf der Internetseite zur Blauzungenkrankheit der EU-Kommission.

Dort ist u. a. eine aktuelle Karte sowie eine tabellarische Übersicht der Restriktionszonen in der EU zu finden (zur Karte gelangen Sie hier, (jpg, 0,86 MB nicht barrierefrei) zur Tabelle hier) (pdf, 0,09 MB, nicht barrierefrei). Auf der Internetseite des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) finden Sie ebenfalls einige Übersichtskarten.

Aktuelles Blauzungenkrankheitsgeschehen in Deutschland:

Im Oktober 2020 traten seit 2019 die ersten beiden Fälle von BTV-8 in Deutschland, Rheinland-Pfalz und Saarland, auf. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland insgesamt 59 Ausbrüche von BTV-8 im westlichen Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz und im Saarland nachgewiesen. Eine Übersicht über die aktuellen Ausbrüche finden Sie auf TSIS ( Link in das Tierseucheninformationssystem des FLI ). Um die betroffenen Bestände wurden Sperrgebiete eingerichtet, die jetzt nach den aktuellen Ausbrüchen bestehen bleibt. Davon sind neben Baden-Württemberg, Saarland und Rheinland-Pfalz auch Teile von Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern betroffen. Empfängliche Tiere (Rinder, Schafe, Ziegen und gehaltene Wiederkäuer) dürfen in und aus diesen Gebieten nur unter Auflagen verbracht werden. Eine Übersicht über die Bedingungen zur Verbringung sowie die aktuellen Restriktionsgebiete finden Sie rechts in der Info-Spalte.

Blauzungenkrankheit in anderen Ländern:

In Belgien wurden 2019 insgesamt 12 Ausbrüche von BTV-8 nachgewiesen. Um den Handel mit Wiederkäuern innerhalb Belgiens zu erleichtern, wurde das gesamte Land als Restriktionszone für BTV 8 erklärt. Die Impfung der Tiere ist freiwillig.

Im Januar 2020 wurde in der Provinz Luxemburg ein BTV-8 Ausbruch bei Rindern festgestellt. Bis zum 19.03.2020 wurden bereits 5 Fälle gemeldet.

Seit 2015 breitet sich BTV-8 in Frankreich aus und verursacht zahlreiche Ausbrüche. Seit November 2017 werden außerdem Fälle von BTV-4 auf dem französischen Festland festgestellt. Das gesamte Land gilt als Restriktionszone für BTV-8 und BTV-4. Insgesamt wurden 181 Fälle von Blauzungenkrankheit in 2019 gemeldet. Im Januar 2020 wurden 2 Fälle gemeldet. Die BTV-4 und BTV-8 gelten mittlerweile als enzootisch in Frankreich, daher werden Ausbrüche nicht regelmäßig gemeldet.

Italien meldet vom Festland, Sardinien und Sizilien immer wieder Fälle von BTV-4 und BTV-1. In 2019 wurden insgesamt 66 Fälle, überwiegend vom Serotyp 4. Bis Anfang Oktober 2020 wurden in Italien 35 Fälle gemeldet.

Im Jahr 2019 gab es 53 BTV-Fälle in der Schweiz. Schweiz und Liechtenstein sind weiterhin Restriktionszone für BTV-8. Im Januar 2020 wurde ein Rind BTV-8 positiv getestet.

Griechenland meldete in 2019 insgesamt 28 Fälle von Blauzungenkrankheit vom Serotyp 16. Auf Lesbos wurden im Januar 2020 Fälle von BTV-16 bei Schafen und Ziegen nachgewiesen. Seit Ende Juli 2020 wurden zahlreiche Fälle von BTV-4-Infektionen in Griechenland gemeldet.

Auch Nordmazedonien verzeichnet seit Juli 2020 zahlreiche Fälle von BTV-4 bei Schafen und Ziegen. Stand 30.09.2020 wurden 384 Fälle gemeldet.

Aus dem Süden Spaniens wurde im Januar 2020 ein Fall von BTV-4 gemeldet. Vereinzelt wurden auch Ausbrüche aus Zypern gemeldet.

Risikoeinschätzung zur weiteren Verbreitung der Blauzungenkrankheit in Deutschland:

In der aktuellen qualitativen Risikobewertung zur Verschleppung der Blauzungenkrankheit des FLI vom 26.04.2019 wurden das Risiko einer saisonalen Übertragung des Virus der Blauzungenkrankheit durch Gnitzen und das Risiko einer Verschleppung durch das Verbringen von Wiederkäuern aus Restriktionszonen bewertet. Die aktuelle Stellungnahme finden Sie hier. (Link zum Friedrich-Loeffler-Institut)

Demnach wird das Risiko einer Übertragung durch Gnitzen in den Monaten Dezember bis März und das Risiko einer Verschleppung des Virus durch Verbringung als vernachlässigbar eingeschätzt, sofern ein ausreichender Impfschutz besteht.

Das Risiko einer Verschleppung durch das Verbringen von Kälbern in BTV-freie Gebiete wird als gering eingeschätzt.

Verbringungsregelungen:

Infolge der BTV-8 Ausbrüche wurden Sperrgebiete eingerichtet. Zur Verbringung in und aus diesen Gebieten müssen alle Rinder, Schafe, Ziegen und Gatterwild sowie deren Sperma, Eizellen und Embryonen Auflagen erfüllen.

Beim Verbringen empfänglicher Tiere innerhalb der Sperrgebiete oder aus diesen in freie Gebiete gelten die Regelungen nach der VO (EG) 1266/2007.

Neben den in dieser Verordnung genannten Ausnahmebedingungen bestehen weitere Ausnahmebedingungen zur Verbringung von Kälbern innerhalb Deutschlands, die nach Risikobewertung des FLI vom 26.04.2019 zwischen Bund und Ländern abgestimmt worden sind.

Des Weiteren wurden Vereinbarungen mit den Niederlanden, Italien und Spanien für das innergemeinschaftliche Verbringen von unter 90 Tage (für Spanien unter 70 Tage) alten Kälbern getroffen.

Alle aktuell zur Verfügung stehenden Verbringungsoptionen aus Sperrgebieten in freie Gebiete innerhalb Deutschlands sind in dem Dokument "Aktuelle Übersicht der Regelungen zur Verbringung innerhalb Deutschlands" (s. Infospalte) zusammengefasst.

Impfung:

Der BTV-8-Seuchenzug aus den Jahren 2006 bis 2009 betraf fast die gesamte Bundesrepublik Deutschland und konnte durch den flächendeckenden Einsatz der Impfung erfolgreich bekämpft werden. Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit vermitteln einen sicheren Schutz und sind weitgehend nebenwirkungsfrei. Auf eine Impfpflicht wurde in Deutschland verzichtet. Die Impfung gegen Blauzungenkrankheit ist genehmigungspflichtig oder kann von der Behörde angeordnet werden. Wurde ein Tier geimpft, muss innerhalb von 7 Tagen ein Eintrag in der Hi-Tier-Datenbank erfolgen.

Die ständigen Impfkommission (StIKo Vet) am FLI empfiehlt den Tierhaltern, ihre Rinder, Schafe und Ziegen gegen BTV-8 und BTV-4 impfen zu lassen, da mittelfristig mit dem Vorkommen von BTV-4 in Deutschland zu rechnen ist (Stellungnahme StIKo Vet und Empfehlungen BTV-Impfung s. Infospalte).

Bei Fragen zur Impfung, insbesondere zur Genehmigung, wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige kommunale Veterinärbehörde.

In Deutschland sind verschiedene inaktivierte Impfstoffe gegen unterschiedliche BTV-Serotypen zugelassen. Es besteht keine Kreuzimmunität zwischen den Serotypen.

Eine Übersicht der zugelassenen Impfstoffe befindet sich in der aktuellen Stellungnahme der StIKo Vet (s. Infospalte)

Zugelassene, in Deutschland verfügbare Impfstoffe BTV (Stand 21.04.2020)

Impfstoffe gegen BTV Hersteller Tierart
Bluevac-4 (Serotyp 4) CZ Veterinaria Schaf, Rind
Bovilis Blue-8 (Serotyp 8) Intervet B. V. Schaf, Rind

BTVPur

(Multistrain: 2 verschiedene Serotypen möglich: 1, 2, 4 oder 8)

Merial S.A.S.
(Boehringer)
Schaf, Rind

Syvazul BTV

(Multistrain: 2 verschiedene Serotypen möglich: 1, 4 oder 8)

Laboratorios Syva (Vertrieb Virbac) Schaf, Rind
Zulvac 8 Bovis (Serotyp 8) Zoetis Belgium S. A. Rind
Zulvac 8 Ovis (Serotyp 8) Zoetis Belgium S. A. Schaf
Zulvac BTV (Serotypen 1, 4 oder 8 für Schafe, für Rinder Serotypen 1 oder 8) nur ein Serotyp möglich) Zoetis Belgium S.A. Rind, Schaf

Hinweise zur Verfügbarkeit von Impfstoffen gegen BTV von der StIKo Vet finden Sie auch hier.

Weiterführende Informationen erhalten Sie auch auf der Internetseite der Ständigen Impfkommission des FLI.

Rind schwarz-weiß Bildrechte: Tierschutzdienst Niedersachsen
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