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West-Nil-Fieber

Stand: 02.10.2019


In diesem Jahr gibt es bereits zahlreiche Nachweise von West-Nil-Virus Infektionen bei Vögeln und einigen Pferden in Deutschland. Schwerpunkte der Fälle liegen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg. Ende September wurde die erste Erkrankung bei einer Person aus Sachsen bekannt. Weitere Informationen und eine Übersicht über die West-Nil-Virus Infektionen in Deutschland finden Sie auf der Internetseite des Friedrich-Loeffler-Instituts.

In einigen südeuropäischen Ländern treten regelmäßig Infektionen mit dem WNV auf, einen Überblick hierüber finden Sie hier.

Was ist das West-Nil-Virus?

Das West-Nil-Virus (WNV) ist ein aus Afrika stammendes Virus, das durch blutsaugende Mücken übertragen wird. Im natürlichen Wirtskreislauf wird es zwischen Vögeln und Stechmücken übertragen. Auch Menschen und Pferde können mit dem WNV infiziert werden, jedoch kann das Virus von ihnen nicht weiter übertragen werden. Deshalb gelten Menschen und Pferde als sogenannte Fehlwirte ("dead-end-hosts"), von denen keine Infektionsgefahr ausgeht.

Das West-Nil-Virus ist eng verwandt mit dem Usutu-Virus, das ebenfalls Wildvögel infiziert. WNV ist nahezu auf der ganzen Welt (Afrika, Asien, Nordamerika, Europa) verbreitet.

WNV-Infektionen bei Vögeln und Pferden zählen in Deutschland zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen. Neben dieser Anzeigepflicht sind bislang keine weiteren tierseuchenrechtlichen Maßnahmen vorgeschrieben.

Wie erkennt man West-Nil-Virus-Infektionen?

In den meisten Fällen bleiben die Infektionen mit dem West-Nil-Virus symptomlos. Jedoch erkranken einige Vogelarten besonders leicht. In einzelnen Fällen kann es auch zu Krankheitssymptomen bei Pferden und Menschen kommen.

Vogel
Bei Vögeln bleibt die Infektion in den meisten Fällen symptomlos. Jedoch sind vor allem Sperlingsvögel (v. a. Rabenvögel) und auch Greif- und Eulenvogelarten besonders empfänglich und können leicht erkranken. Bei diesen Arten kann es zu massiven Epidemien mit gehäuften Todesfällen kommen. Bei schwereren Verläufen können neurologische Erscheinungen und Blutungen in der Schnabel- und Kloakenregion festgestellt werden.
Wirtschaftsgeflügel gilt als weniger empfänglich. Impfstoffe für Vögel stehen nicht zur Verfügung.

Pferd
Die Mehrzahl betroffener Pferde zeigt keine Symptomatik. Einige Pferde reagieren jedoch mit starken neurologischen Symptomen wie Stolpern, Nachhandlähmungen, Muskelzittern, Schwäche bis zum Festliegen. Ein Teil der Infektionen kann tödlich verlaufen. Seltener zeigen die Pferde eine fiebrige Allgemeinerkrankung. In Deutschland sind für Pferde aktuell drei Impfstoffe zugelassen (Übersicht des Paul-Ehrlich-Institutes).

In der aktuellen Stellungnahme der ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut wird in den bereits betroffenen Gebieten die Impfung der Pferde gegen West-Nil-Virus empfohlen. Ebenfalls ist eine Impfung für Pferde zu empfehlen, die in die Regionen verbracht werden oder in angrenzenden Regionen gehalten werden. Die ausführliche Stellungnahme finden Sie hier.

Mensch
Beim Menschen verlaufen ca. 80% der Infektionen symptomlos, Treten Symptome auf, sind diese oftmals mit einem fiebrigen grippalen Infekt vergleichbar. Dieser klassische Verlauf wird auch als West-Nil-Fieber bezeichnet. Bei weniger als einem Prozent der infizierten Personen kann es zu schweren Verlaufsformen mit einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung kommen, die in seltenen Fällen (vor allem bei älteren Patienten) tödlich enden kann. Humane Impfstoffe stehen nicht zur Verfügung.

Wie wird das West-Nil-Virus übertragen?

Der eigentliche Wirtskreislauf findet zwischen Stechmücken und Wildvögeln als Hauptwirte statt. Darüber hinaus kann ebenfalls eine Übertragung auf Säugetiere und Menschen stattfinden, wenn die Stechmücken zuvor von infizierten Vögeln Blut aufgenommen haben. Aus diesem Grund werden West-Nil-Virus-Infektionen vor allem im Spätsommer und Frühherbst beobachtet, wenn die Mücken aktiv sind.

Bei Pferden, Menschen und anderen Fehlwirten werden im Blut keine ausreichend großen Mengen des Virus gebildet, so dass die Erkrankung nicht weitergegeben werden kann. Beim Menschen kann das WNV unter Umständen durch kontaminierte Blutspenden, von infizierten Müttern auf das ungeborene Kind oder während des Stillens auf das Kind übertragen werden.

Wie sollte man mit toten Wildvögeln umgehen?

Generell sollten tote oder kranke Vögel nicht angefasst werden. Verendete Wildvögel können im Veterinärinstitut des LAVES auf West-Nil-Virus und Usutu-Virus-Infektionen untersucht werden. Nähere Informationen zur Einsendung von Wildvögeln erhalten Sie hier.

Wie kann man sich und seine Tiere schützen?

Die West-Nil-Virus-Infektion ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Bei Verdacht muss der Amtstierarzt umgehend verständigt werden.

Da das Virus über Mücken übertragen wird, steht der Schutz vor Mücken im Vordergrund. Durch das Abdecken offener Wasserbehälter wie z. B. Regentonnen etc. kann die Vermehrung der Mücken reduziert werden. Der Schutz vor Mückenstichen in betroffenen Gebieten kann eine Übertragung der West-Nil-Viren vorbeugen.

Für Pferde stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung. Für Pferde aus Gebieten, in denen West-Nil-Virus-Infektionen nachgewiesen worden sind und für Pferde, die in betroffene Gebiete reisen, wird eine Impfung gegen WNV empfohlen.

Die Anwendung von Mitteln, die Insekten vom Pferd fernhalten (Repellentien) ist empfehlenswert. Auf Weiden und Paddocks sollte das Wasser täglich gewechselt werden, um gegebenenfalls eine Vermehrung infizierter Stechmücken zu verhindern.


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